Social Games: Neuer Markt – auch für Betrüger?

Social Games sind all die Spiele, die ich und ihr vermutlich auch täglich bei Facebook in den Newsstream bekommt. Auch andere Social Networks wie MySpace haben bereits eigene Browserspiele, die sich im Zusammenhang mit einem Social Network nun Social Games taufen. Aber nicht nur die Plattform, auf welche die Spiele stattfinden, hat sich geändert, sondern auch die Spiele an sich und die gesamte Branche drum herum. Aber warum sind Social Games so störend und wieso gibt es so viele weibliche Models, die Spiele wie Farmville & Co spielen?

Bis vor einigen Jahren waren Browserspiele weites gehend das Spielzeug vom typischen Computer-Nerd: Brille, lange Haare, keine Hygiene und Frischluft nur einmal im Monat, um neue Energydrinks kaufen zu gehen. Browserspiele haben dabei noch einige Jahre länger den Nerd-Status behalten, wogegen Spielekonsolen spätestens mit der Wii im Massenmarkt angekommen sind. Die guten und populären Browserspiele wie OGame waren dabei so komplex, dass ein erfolgreiches mitmischen nur als Hartz4-Empfänger oder fauler Schüler möglich war.

Eine größere Zielgruppe bekamen meist virale Spielchen, die aber eigentlich nur aus einem Schneeballsystem bestanden und über eine Erwartungshaltung funktionierten. Hier gab es in den letzten Jahren zahlreiche Beispiele. Von (un)seriösen Gewinnspielen, über „Schicke diesen Link an alle deine Freunde, um mich nackt zu sehen“, bis zu „Ich laufe nackt über das Spielfeld beim Finale der Fussball Weltmeisterschaft, wenn X Millionen Besucher auf dieser Seite waren“. Überaus erfolgreich, aber mit Browserspielen hatten diese natürlich wenig zu tun und meist verschwanden diese Seite auch genauso schnell wie sie gekommen waren wieder in den endlosen Weiten des Internets.

Nun ist es endlich da: Das Echtzeitweb. Jeder ist immer und überall mit Freunden vernetzt, die er nicht kennt oder nicht kennen will und erzählt eben diesen trotzdem mehr, als sie vielleicht wissen wollen. Und da alleine Facebook über 400 Millionen aktive Nutzer vorweisen kann, ist der Massenmarkt bereits erobert und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis selbst unsere Autos und Computer eigene Facebook-Profile haben.

Natürlich haben sich ausgefuchste Programmierer sofort auf die Plattform gestürzt und dank offener API verschiedenste Applikationen programmiert. Und schon ging es los mit den Social Games. Doch was ist von den Browserspielen, wie man sie bisher als eingefleischter Nerd kannte, geworden? Sie haben die Position mit virtuellen Bauernhöfen und endlosen Klickorgien zur Vergrößerung der eigenen Mafia gewechselt und sind dabei auch noch erfolgreicher als die umfangreichen Branchenkollegen.

Das Prinzip dahinter, wer bisher der Versuchung eine eigene Mafia oder Farm zu gründen wieder stehen konnte, ziemlich simpel: Das Spiel hat kein eigenes Spielziel, sondern ein dynamisches – generiert durch die Facebook-Freunde und Ranglisten. Ziel ist also besser zu werden als Oma, Opa und Tante zusammen. Und das erreicht man auch noch nur dadurch, dass man genau diese selbst-generierten Feinde in das Spiel einlädt. Denn um im Spiel richtig mitzumischen, muss der User neben gefühlten 10.000 Klicks pro Tag auch noch so viele Facebook-Freunde wie möglich einladen – bei Mafia Wars zum Beispiel über 500! Und wer noch nicht jedes Social Game auf Facebook geblockt hat, weiß wie nervig die Statusmitteilungen seien können. Anfragen wie „Adoptiere dieses Schaaf“ spielen natürlich wieder nur darauf ab, neue User zu generieren – und dies beruht auch noch auf der Akzeptanz des Users: Er wird ja mit jedem neuen User belohnt.

Spieler werden also wie „damals“ bei den Schneeball-Projekten, die zum großen Teil mit nackter Haut oder riesigen Gewinnen warben, zum Direktvermarkter des Spiels, ohne einen Anteil an dem Umsatz zu erhalten. Natürlich kann man den Firmen keinen Vorwurf machen: Sie entwickeln teils hochwertige Spiele und nutzen die Funktionen von Facebook geschickt, um möglichst viele User zu erreichen. Und da es jedem Facebook-Nutzer frei steht, diese Nachrichten zu verbergen und wiederum die begeisterten Spieler eine (vielleicht nicht ganz so) sinnvolle Beschäftigung bekommen haben, sind Social Games definitiv der am größten wachsende Markt des letzten Jahres und der kommenden Jahre.

Abseits des Kerngeschäfts – Trittbrettfahrer bei Social Games

Der übliche Kontakt-Spam über Instant-Messenger und Email ala „Was machen deine Fotos hier im Netz?“ erzeugen schon lange nicht mehr die Aufmerksamkeit, die wohl von den Betrügern angestrebt wird. Und Betrüger zieht es bekanntlich immer dort hin, wo es auch was zu holen gibt: Bei Facebook eben über 400 Millionen aktive Nutzer. Doch wie kommt man an diese User ran? Das Resultat kennt ihr ja schon: Social Games.

Nirgends im Netz ist es einfacher, in das private Umfeld eines Users einzudringen: Einmal mit einem Kontakt verbunden werden meist ausnahmslos alle Informationen zur Verfügung gestellt, die der User oft im Leichtsinn freigibt. Über Social Games ist die erste Kontaktaufnahme auch noch stark vereinfacht worden: 100 Millionen Spieler warten nur darauf, ihre Mafia, ihre Farm, … zu vervollständigen – indem sie User als Kontakte hinzufügen. Um dies zu tun, müssen die User sich zuerst direkt bei Facebook verknüpfen. Damit diese Kontaktaufnahme noch schneller von statten geht, werden die erstellen Fakeprofile mit erotischen Fotos von hübschen Frauen verziert und hilfeflehend nach Kontakten gesucht.

Und diese Kontakte tummeln sich in Gruppen direkt auf Facebook. Gruppen wie „GET 500 FRIENDS IN 1 HOUR“ sprechen oft zehntausende von Spieler an und bieten den Betrügern die ideale Plattform zum Kontakte-Phischen. Kurz einen Bot programmiert, der in regelmäßigen Abständen Einträge an die Pinnwand der Gruppe spammt und schon quillt das Postfach des Betrügers über mit Kontaktanfragen. Was der Betrüger schließlich daraus macht, ist ihm überlassen und ich möchte hier auch keine Denkanstöße liefern, aber mit etwas Geschick werden hier vermutlich bereits Millionen gemacht – auf Kosten der Spieler.

Ich rate an dieser Stelle, wie auch bereits auf vielen anderen Blogs und Internetseiten, mit Vorsicht die neuen Internetangebote zu genießen und besonders bei dubiosen Anfragen von leicht bekleideten Supermodels vielleicht vorher zu überlegen, ob dies wirklich ein reales Profil sein kann.

An der gleichen Stelle möchte ich hier kurz meine Xing-Gruppe „Social Games“ bewerben. In der Gruppe sollen diese und andere Themen im Bereich Social Games besprochen, sowie Ideen und Meinungen ausgetauscht werden. Über neue Mitglieder freue ich mich natürlich immer.

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